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26.05.2010, 20:03 Uhr | Übersicht | Drucken
Leserbrief zu: "In unseren Schulen nicht"/Kritik an Vortrag zur DDR-Geschichte
Westfälische Nachrichten vom 26. Mai 2010

Der Leserbrief von Dieter Lewedag zur Berichterstattung über den Vortrag von Rainer Dellmuth in Lüdinghauser Schulen hat mich stellenweise verwundert und erschreckt und ist aus meiner Sicht wie folgt zu beantworten:

09. Oktober 1989 - Beginn der Montagsdemonstrationen
 

Als ich diesen Leserbrief gelesen habe, habe ich mich wieder einmal an einen Montagabend im Oktober kurz vor dem Mauerfall erinnert, an dem meine Eltern und ich von einem Abendessen in der Leipziger Innenstadt nach Hause wollten.

Auch an diesem Montag fand, wie schon in den vorhergegangenen Wochen, die Montagsdemonstration statt. In den Seitenstraßen der Innenstadt standen voll besetzte Laster der Volksarme in Erwartung des Befehls zum Einsatz gegen die Demonstranten. Die getragenen Waffen waren sicherlich nicht als Anschauungsobjekte mitgenommen worden. Der Schießbefehl wurde glücklicher Weise nie erteilt.

Ich bin dankbar, dass ich diese prägenden Wendejahre auf beiden Seiten der Mauer miterleben durfte.

Deutsche Geschichte ist vielfältig und besteht nicht nur aus dem Ersten Weltkrieg, dem Kaiserreich, der Weimarer Republik oder dem Nationalsozialismus. Auch die jüngere Deutsche Geschichte verdient es entsprechend gelehrt zu werden, fällt sie doch heute vielfach unter den Tisch.

Wir sollten dankbar für die vielen Zeitzeugen sein, sofern es sie noch gibt, die uns heute noch aus den benannten Epochen anschaulich verdeutlichen, wie die gelehrte geschichtliche Theorie in der Praxis war. So können sich Schülerinnen und Schüler in einem interessanten und lebhaften Geschichtsunterricht ein Bild von unserer Deutschen Geschichte machen.

Herrn Lewedags Sichtweise kann ich ein Stück weit nachvollziehen, wenn zwischen Augenzeugenberichten und politischer Bewertung einer heute agierenden Partei die Grenzen zu verschwimmen scheinen.

Dennoch bin ich der Meinung, ist es nicht das Ziel einer Konrad-Adenauer-Stiftung, Schülerinnen und Schüler politisch in irgendeine Richtung „einzunorden“. Das wird der Sache insgesamt sicherlich nicht gerecht. Die Äußerungen von Herrn Dellmuth sind aber sicher auch einer Emotionalität geschuldet, die dieses Thema an sich aber auch der Umgang mit der LINKEN in vielen Bereichen bei vielen Menschen hervorruft. Hier muss man, und gerade in schulischen Vorträgen, klare Linien wahren.

Dennoch - Ich bin dankbar für eine CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, für eine SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, eine FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, eine GRÜNEN-nahe Heinrich-Böll-Stiftung, eine dem DGB nahestehende Hans-Böckler-Stiftung und eine CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung.

Sie dienen in vorbildlicher Weise der politischen Bildung und ergänzen, wo es gewünscht wird, eben auch durch solche Augenzeugen wie Rainer Dellmuth, den Geschichtsunterricht in unseren Schulen.

Dafür sollten wir – Partei hin oder her – dankbar sein.

Matthias Kleinert
 



aktualisiert von Matthias Kleinert, 26.05.2010, 20:18 Uhr


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